Fast zwei von drei Menschen würden sich bei gleichem Preis lieber an einen Coach wenden als an eine KI

Eine offene Hand hält einen silbernen Kompass vor unscharfem grünem Naturhintergrund

70 Menschen haben mir in den letzten Wochen anonym erzählt, wie sie es wirklich mit KI und persönlichen Themen halten. Fast zwei von drei sagen: Wenn KI genauso viel kosten würde wie eine Beratung bei einem Menschen, würden sie wechseln. Zum Coach, zur Beraterin, zur Therapeutin. Das ist eine der Zahlen, die mich ganz schön erleichtert hat!

Was mich zu dieser Umfrage gebracht hat

Ich arbeite mit Menschen an ihren persönlichsten Themen. Und ich sehe immer öfter, dass Menschen dafür zuerst bei einer KI landen, bevor sie überhaupt an einen Coach oder eine Therapeutin denken. Um sicher zu gehen, dass das nicht nur eine vage Vermutung ist, habe ich diese Umfrage erstellt. Ich wollte es wirklich wissen, mit echten Zahlen statt mit meinem Bauchgefühl.

Also habe ich eine anonyme Umfrage gestartet, offen für alle, die neugierig sind. Auch für Menschen, die sich bewusst dagegen entschieden haben. Gerade ihre Sicht fand ich mindestens genauso wichtig wie die der Menschen, die KI bereits nutzen.

Was ich schon vorher vermutet hatte, und was sich davon bestätigt hat, zeige ich dir zuerst. Meine Methodik erkläre ich gleich danach.

Meine Vermutung, bevor ich die Antworten kannte

Bevor ich die Umfrage startete, hatte ich selbst schon eine Vermutung, die mit meiner eigenen Erfahrung zu tun hatte. Ich selbst fragte die KI eine Zeitlang tatsächlich öfter um persönlichen Rat, als ich es eigentlich gebraucht hätte. Ich hatte nämlich das Gefühl, sie könne das alles schneller als ich und bringe vielleicht noch eine neue Perspektive rein.

Doch das ließ mich nach und nach an meiner eigenen Kompetenz zweifeln. Und manchmal hielt sie sich mit Dingen auf, die für mich gar nicht relevant waren oder sie hielt mich mit ständigem Nachfragen länger beschäftigt, als ich eigentlich vorhatte. Danach war ich manchmal sogar verwirrter als vorher.

Meine Vermutung: Diese Punkte würden auch bei anderen häufig auftauchen.
Nach 70 Antworten weiß ich: Sie tun es.

Die häufigste Schattenseite, die die Umfrage zeigt:
Durch die Rückfragen der KI fühlten sich viele stärker in ein Thema hineingezogen, als sie eigentlich vorhatten.

Eine Person beschrieb es so:
„Ich war oft unnötig lange mit unwichtigen Infos beschäftigt und dadurch am Ende verwirrter und länger beschäftigt.“

Die zweithäufigste Schattenseite:
Seitdem vertrauen einige der eigenen Wahrnehmung, dem eigenen Bauchgefühl, weniger als vorher.

„Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich der KI scheinbar mehr zutrauen als mir selbst. Ich habe mich eine Zeitlang deshalb kaum noch auf mein eigenes Gefühl verlassen.“

Am meisten berührt hat mich aber eine Antwort auf die letzte, ganz offene Frage der Umfrage. Jemand beschrieb dort, ohne dass ich danach gefragt hatte, fast wortgleich das, was ich selbst erlebt hatte.

Zitat aus der Umfrage: Ich habe das Gefühl, dass bei vielen eine anfängliche Begeisterung herrscht, aber dass dann doch eher negative Konsequenzen nach und nach sichtbar werden, wie zum Beispiel das immer tiefer hineingezogen werden in ein Thema, das eigentlich schon abgeschlossen war. Im Freundeskreis berichten viele von ähnlichen Erfahrungen.

Ich bin mit meiner Vermutung also nicht allein gewesen, und das fühlt sich seltsam tröstlich an.

Meine Methodik

Befragt wurden alle, die neugierig waren, mitzumachen, ganz gleich ob sie KI für persönliche Themen nutzen, aufgehört haben oder sich bewusst dagegen entschieden haben. Die Umfrage lief vom 31. August bis zum 25. September 2026, komplett anonym, ohne Namen oder E-Mail-Adresse. 70 Menschen haben sie vollständig ausgefüllt.

Das ist keine repräsentative Erhebung. Es ist eine Befragung in meinem eigenen Umfeld und darüber hinaus, über meinen Content-Kreis verteilt. Und ich bin selbst nicht neutral in dieser Frage: Ich arbeite als Coach, und wie Menschen KI im Vergleich zu einer Begleitung durch einen Menschen einschätzen, betrifft meine eigene Arbeit.

Und noch etwas gehört zur Ehrlichkeit dazu: Das hier ist eine Momentaufnahme. KI entwickelt sich gerade so schnell, dass diese Zahlen in einem Jahr schon wieder ganz anders aussehen könnten.

8 von 10 Menschen nutzen KI vor allem, um ihre Gedanken zu sortieren

43 von 56 Menschen, die KI für persönliche Themen genutzt haben, nennen genau das als positive Erfahrung: Gedanken sortieren und besser in Worte fassen. Die mit Abstand häufigste Antwort.

„Wenn ich ein Problem habe, noch dazu ein emotional geladenes, dann ist die KI super hilfreich, um die oftmals verworrenen Gedanken zu entwirren und gute Worte für die Themen zu finden.“

Beim Preis hört für viele die Treue zur KI auf

In der Umfrage habe ich außerdem gefragt: Wenn eine KI-Beratung genauso viel kosten würde wie eine Stunde bei einem Coach oder einer Beraterin, würdest du dann lieber die KI nutzen oder den Menschen?

Mir ist bewusst, dass du eine KI oft nach anderen Dingen fragst als eine Beraterin oder einen Coach. Bei kleineren Sachen holst du dir vielleicht den Rat der KI, bei den großen leistest du dir einen Menschen. Diese Frage lässt sich also nicht eins zu eins übertragen.

Trotzdem war sie mir wichtig, weil ich eine erste Einschätzung wollte: Wie sehr hält allein der Preis Menschen bei der KI? Für manche klingt dieser Vergleich heute noch absurd. Doch je größer die Rolle wird, die KI in unserem Leben spielt, desto weniger absurd könnte er werden, bis du irgendwann ernsthaft denkst: Dann nehme ich doch lieber die KI.

Diese Frage habe ich allerdings erst am 4. September während der laufenden Umfrage ergänzt. 28 Menschen haben sie noch gesehen und beantwortet. 18 davon, also 64 Prozent, sagen: Bei gleichem Preis würden sie sich eher an einen Coach, eine Beraterin oder eine Therapeutin wenden statt an eine KI.

„Bisher war ein gutes Argument für die KI, dass sie günstig war. Wenn beides gleich teuer wäre, würde ich Menschen immer vorziehen, weil ich mich mehr gesehen fühle und den sozialen Kontakt und emotionalen Austausch mag.“

Nicht alle sehen das so. Eine Person schrieb: „Ich traue mir gegenüber einer Software mehr als gegenüber fremden Menschen.“ Auch das gehört dazu.

Niemand hat „noch nicht ausprobiert“ angeklickt

Von den 14 Menschen, die KI noch nie für persönliche Themen genutzt haben, hat keine einzige Person gesagt, sie hätte es einfach noch nicht probiert. Alle 14 beschreiben es als bewusste Entscheidung dagegen.

„Auch wenn ich KI nutze und verstehen kann, warum Menschen persönliche Dinge mit einer KI ‚besprechen‘: KI bleibt eine Maschine, und ich bin kein Fan von Anthropomorphisierung, also davon, Maschinen zu vermenschlichen. Ich finde, man sollte hier eine bewusste Grenze ziehen.“

Die Stimmen, die mir am meisten hängen geblieben sind

Manche Antworten lassen sich nicht in Zahlen zusammenfassen. Sie zeigen, wie unterschiedlich Menschen KI erleben und manchmal stehen sich die Erfahrungen sogar direkt gegenüber.

Manche erleben KI gerade deshalb als hilfreich, weil sie widerspricht: „Entgegen aller Meinungen im Aussen widerspricht sie mir regelmäßig, das finde ich gut (Claude). ChatGPT war ein People Pleaser.“ Andere machen genau die gegenteilige Erfahrung: „Stimmt meist zu, wenig kritisch, redet alles schön.“

Und dann gibt es Antworten, bei denen ich beim Lesen einfach kurz innegehalten habe. Weil sie etwas ausdrücken, das sich schwer in eine Statistik packen lässt und vielleicht gerade deshalb so viel über unseren Umgang mit KI erzählt. Ein paar davon, die mir besonders hängen geblieben sind, habe ich hier für dich gesammelt:

Eine dieser Stimmen spricht mir besonders aus der Seele: „KI betont immer, wenn es schwierig wird, dass sie kein Therapeut-Ersatz ist und ich mir bei tiefergehenden Fragen bitte einen Profi an die Seite holen soll, das finde ich gut.“

Genau das finde ich wichtig. KI darf uns begleiten, Gedanken sortieren und neue Perspektiven eröffnen. Aber wenn es wirklich tief geht oder eine Situation uns überfordert, sollte sie nicht die einzige Stimme bleiben. Dann braucht es Menschen an unserer Seite – im Coaching, in der Beratung oder in therapeutischer Begleitung, je nachdem, was gerade sinnvoll ist.

Was diese Umfrage mir nicht verraten kann

Was mich nach all den Antworten am meisten beschäftigt, lässt sich in keine der Erkenntnisse oben richtig einsortieren: Viele merken erst im Nachhinein, wie sehr ihr Vertrauen in sich selbst abgenommen hat.

Wenn du kurz in dich hineinspürst: Wie ist das bei dir? Hast du selbst schon gemerkt, dass sich durch KI etwas an deinem Vertrauen in dich selbst verändert hat, im Guten oder im Schlechten?
Ich bin neugierig, was diese Frage in dir auslöst, du darfst sie gerne in die Kommentare schreiben.

Offen bleibt für mich vor allem eins: wie man mit den Schattenseiten, die sich hier gezeigt haben, im Alltag umgeht. Wie du merkst, ob du KI gerade nutzt oder ob KI gerade dich nutzt, dein Vertrauen in dich selbst untergräbt, statt es zu stärken.

Genau dieser Frage widme ich mich im nächsten Artikel: mit konkreten Tipps für einen Umgang mit KI, der dich nicht kleiner macht, sondern klarer.

Wenn du solche Denkanstöße magst: Im Growthletter teile ich regelmäßig Impulse, die in dir weiterwachsen dürfen. Mal eine persönliche Geschichte aus meinem Alltag, mal eine Frage für frischen Wind in deinen Gedanken, manchmal eine kleine Beobachtung aus dem Leben. Natürlich bekommst du dort auch Infos zu aktuellen Blogartikeln.

Und falls du eine der 70 Personen bist, die sich die Zeit für diese Umfrage genommen haben, ganz gleich mit wie vielen Worten:



Danke von Herzen!
Du hast mir mit deiner Offenheit einen Einblick geschenkt, der weit wertvoller ist als jede Statistik. Ohne dich gäbe es diesen Artikel nicht.

Noch Fragen zur Umfrage?

Hier ein paar Antworten, kurz und ehrlich, auf das, was beim Lesen aufkommen könnte:

Ist es sinnvoll, KI für persönliche Themen zu nutzen?

Meine Umfrage unter 70 Menschen zeigt: Es kommt darauf an. Die meisten schätzen KI, weil sie hilft, eigene Gedanken zu sortieren, das war mit Abstand die häufigste positive Erfahrung. Gleichzeitig berichten viele auch von Schattenseiten, etwa dass sie durch die Rückfragen tiefer in ein Thema hineingezogen wurden, als eigentlich geplant.

Ersetzt KI einen Coach oder eine Therapeutin?

Nein, das zeigt meine Umfrage deutlich: Nein. Fast zwei von drei Personen würden sich bei gleichem Preis lieber an einen Menschen wenden. KI ist vor allem wegen ihrer ständigen Verfügbarkeit attraktiv. Sie kann Gedanken sortieren und im Alltag unterstützen – bei psychischen oder gesundheitlichen Problemen braucht es aber professionelle therapeutische oder ärztliche Hilfe.

Was sind die größten Schattenseiten, wenn man KI für persönliche Themen nutzt?

In meiner Umfrage war die häufigste Schattenseite, dass Menschen sich durch die Rückfragen der KI stärker in ein Thema hineingezogen fühlten, als sie eigentlich vorhatten. Die zweithäufigste: Viele vertrauen seitdem ihrer eigenen Wahrnehmung und ihrem Bauchgefühl weniger als vorher.

Wie zuverlässig ist diese Umfrage?

Es ist keine repräsentative Studie, sondern eine anonyme Befragung in meinem eigenen Umfeld und Content-Kreis mit 70 vollständigen Antworten, erhoben vom 31. August bis 25. September 2026. Ich bin als Coach selbst nicht neutral in dieser Frage, das gehört zur Ehrlichkeit dazu.

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