Du darfst alles fühlen

Abstrakte Zeichnung, in der sich Gelb, Violett, Blau, Rot und Grün ineinander mischen

Es kann beides gleichzeitig wahr sein.

Zwischen den Extremen

Ich glaube, viele von uns haben gelernt, Gefühle möglichst eindeutig einzuordnen.

Gut oder schlecht.
Stark oder schwach.
Glücklich oder traurig.

Auch unsere Fragen klingen oft so, als müsste es immer eine klare Antwort geben:

Wie geht es dir?
War deine Kindheit schön?
Macht dich dein Job unglücklich?
Bist du glücklich?

Als gäbe es nur entweder… oder.

Doch die ehrlichsten Antworten liegen meistens irgendwo dazwischen, denn das Leben ist selten so eindeutig. Und auch wir Menschen sind es nicht.

Alles davon kann gleichzeitig existieren

Wir können funktionieren –
und uns innerlich trotzdem überfordert fühlen.

Wir können mitten in einer Krise stecken –
und trotzdem ehrlich lachen.

Wir können diszipliniert sein –
und uns Genuss erlauben.

Wir können Angst spüren –
und gleichzeitig mutig sein.

Wir können erschöpft sein –
und trotzdem Hoffnung in uns tragen.

Wir können einen Menschen lieben –
und manchmal Abstand brauchen.

Wir können traurig sein –
und trotzdem schöne Momente erleben.

Die Suche nach dem „eigentlichen“ Gefühl

Aber oft versuchen wir, uns für ein Gefühl zu entscheiden. Als müsste eines davon „das echte“ sein.

Wenn wir dankbar sind, dürfen wir dann traurig sein?
Wenn wir stark wirken, dürfen wir uns dann verloren fühlen?
Wenn etwas schwer ist, dürfen wir trotzdem das Gute darin sehen?

Ich glaube: ja.

Nicht nur Gefühle machen müde. Oft ist es der dauernde Versuch, alles eindeutig einordnen zu müssen. Doch es muss nicht immer dieses eine Gefühl geben, das „gewinnt“. Es dürfen auch mehrere Wahrheiten gleichzeitig existieren.

Und widersprüchliche Gefühle sind kein Fehler, der sofort gelöst werden muss.

Ich denke, Stärke liegt nicht darin, immer Klarheit zu haben, sondern darin, mit Uneindeutigkeit und innerer Komplexität leben zu können.

Schmerz schließt nicht aus, dass es Licht gibt.

Freude macht nicht alles andere ungeschehen.

Überforderung sagt nichts über den eigenen Wert aus.

Alles davon darf da sein

Das Leben besteht nicht nur aus Extremen.
Dazwischen liegt etwas viel Ehrlicheres: emotionale Komplexität.

Und vielleicht wird vieles leichter, wenn wir aufhören, uns selbst auf eine einzige Wahrheit zu reduzieren.

Alles davon kann gleichzeitig existieren.

Zum Nachspüren: Was war heute gleichzeitig wahr?

  • Was hat dich heute Kraft gekostet – und was hat dir Kraft gegeben?
  • Wann hast du dich unsicher gefühlt – und wann ganz bei dir?
  • Was hat dich belastet – und was hat dich berührt?
  • Wo hast du Angst gespürt – und wo bist du über dich hinausgewachsen?
  • Was hat sich heute schwer angefühlt – und wobei hast du ganz vergessen, auf die Uhr zu schauen?
  • Welche Gefühle leben gerade gleichzeitig in dir?

Wenn du magst, vervollständige den Satz in den Kommentaren:
„Heute fühle ich mich … und gleichzeitig …“
Vielleicht entdecken wir dabei, wie viel Wahrheit in unseren Zwischentönen liegt. 🤍

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