Wachstum sieht oft ganz anders aus, als wir denken

Verschlungene Baumwurzeln unter einem dichten Blätterdach als Titelbild zum Thema persönliches Wachstum.

„Nur noch …“

Zwei kleine Wörter.

Sie haben mich in den letzten Monaten oft begleitet.

Nur noch die Website fertigstellen.

Nur noch auf das Finanzamt warten.

Nur noch die Freischaltung bei Ablefy.

Nur noch das Newsletterformular zum Laufen bringen.

Nur noch diesen einen Text überarbeiten.

Rückblickend muss ich darüber schmunzeln. Denn kaum war ein „Nur noch“ erledigt, stand schon das nächste vor der Tür.

Irgendwann habe ich mich gefragt:

Was ist eigentlich, wenn dieses „Nur noch“ niemals aufhört?

Nur noch diese eine Sache

Mir ist erst vor Kurzem bewusst geworden, wie oft ich in den letzten Monaten dachte: „Erst wenn ich dieses und jenes noch erledigt habe, dann kann ich endlich…“

Erst wenn die Website online ist, dann kann ich endlich starten.

Erst wenn die Steuernummer da ist, dann geht es richtig los.

Erst wenn Ablefy alles freigeschaltet hat.

Erst wenn die letzten technischen Feinheiten funktionieren.

Immer schien nur noch eine Aufgabe zwischen mir und dem Moment zu stehen, an dem ich endlich das Gefühl haben würde: Jetzt geht es richtig los.

Das Verrückte war: Kaum war eine dieser Aufgaben erledigt, rückte die nächste nach. Anstatt mich über einen erreichten Meilenstein zu freuen, richtete sich mein Blick sofort auf das, was noch fehlte.

Erst im Rückblick habe ich erkannt, wie oft wir das im Leben tun. Wir verschieben das Gefühl, angekommen zu sein, immer weiter nach hinten. Erst muss noch dieses eine Problem gelöst werden. Erst noch diese eine Entscheidung. Erst noch dieses eine Gespräch. Und irgendwann bemerken wir gar nicht mehr, dass das Leben längst begonnen hat.

Zwischen Geduld und Technik

Geduld gehörte ehrlich gesagt noch nie zu meinen größten Stärken. Wenn ich eine Idee habe, möchte ich sie am liebsten sofort umsetzen. Umso mehr musste ich in den letzten Monaten lernen, dass sich manche Dinge einfach nicht beschleunigen lassen.

Ich konnte das Finanzamt nicht dazu bringen, meine Unterlagen schneller zu bearbeiten. Ich konnte nicht beeinflussen, wann Ablefy meinen Account freischaltet. Und auch die Technik hatte ihren ganz eigenen Kopf.

Puuuuh!

Ich hätte nie gedacht, dass mich ausgerechnet ein Newsletter so viel Geduld kosten würde.

Eigentlich wollte ich „nur“ ein Formular und Automatisierungen einrichten, damit sich Menschen ganz unkompliziert für meinen Growthletter anmelden können. Stattdessen saß ich stundenlang vor dem Bildschirm, verschickte Test-E-Mails an mich selbst, klickte mich durch unzählige Einstellungen und fragte mich immer wieder, warum etwas, das so einfach aussieht, plötzlich so kompliziert sein kann.

Zwischendurch funktionierte etwas – allerdings nur so lange, bis ich die nächste Kleinigkeit geändert hatte. Dann ging die Fehlersuche wieder von vorne los.

Was wir meistens nicht sehen

Je mehr Zeit verging, desto häufiger fiel mir auf, dass ich mit diesem Gefühl gar nicht allein bin. Natürlich nicht, weil jeder schon einmal Newsletter eingerichtet oder auf eine Freischaltung gewartet hat. Aber weil wir alle diese Momente kennen, in denen wir glauben: Nur noch diese eine Sache.

Von außen sehen wir bei anderen die fertige Website, das veröffentlichte Buch, den neuen Job oder das glückliche Familienfoto. Wir sehen den Instagram-Beitrag, der aussieht, als wäre alles mühelos entstanden. Was wir nicht sehen, sind die Stunden davor. Die Gedanken, die sich im Kreis drehen oder die Entscheidungen, die immer wieder hinterfragt werden. Die kleinen Rückschläge, über die niemand schreibt und die Geduld, die es manchmal braucht, obwohl wir am liebsten längst einen Schritt weiter wären. Oder 10.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum wir so oft das Gefühl haben, hinterherzuhinken. Wir vergleichen unseren Alltag mit den sichtbaren Ergebnissen anderer. Während wir noch mit unseren eigenen „Nur nochs“ beschäftigt sind, scheinen alle anderen längst angekommen zu sein.

Dabei stimmt das wahrscheinlich gar nicht.

Vielleicht sehen wir bei anderen nur den Moment, in dem ihre Flügel sichtbar werden. Was wir nicht sehen, sind die Wurzeln, die über Wochen, Monate oder sogar Jahre gewachsen sind – still, unscheinbar und meistens im Verborgenen.

Illustration einer Pusteblume mit fliegenden Samen als Symbol für Wachstum, Inspiration und neue Perspektiven.

Wurzeln und Flügel

In den letzten Wochen habe ich immer wieder an dieses Bild denken müssen. Anfangs war es einfach nur ein schöner Gedanke. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass er viel besser beschreibt, was in dieser Zeit passiert ist, als ich es selbst hätte ausdrücken können.

Flügel fallen auf: Sie stehen für Aufbruch, für Mut und für die Momente, in denen wir losfliegen. Genau diese Augenblicke bleiben hängen. Sie werden gesehen, gelobt und gefeiert.

Mit Wurzeln ist das anders: Sie wachsen langsam und tief in der Erde. Niemand bleibt stehen, um sie zu bewundern. Trotzdem tragen sie den ganzen Baum. Je stärker sie werden, desto mehr Halt geben sie – auch dann, wenn später einmal ein Sturm kommt.

Genau so haben sich die vergangenen Monate für mich angefühlt. Es ging viel weniger um die fertige Website oder den Moment, in dem alles online war. Viel prägender waren die Tage, an denen ich Geduld lernen musste, obwohl ich lieber weitergemacht hätte. Die Stunden, in denen ich mich durch technische Einstellungen geklickt habe. Die vielen kleinen Entscheidungen, die wahrscheinlich nie jemand sehen wird und die trotzdem dazugehören.

Heute glaube ich, dass genau dort Wachstum entsteht. In den Phasen, die von außen unspektakulär wirken. In den Momenten, in denen wir zweifeln, warten, ausprobieren und trotzdem weitermachen. Oft merken wir erst im Rückblick, wie viel sich in dieser Zeit entwickelt hat.

Gedanken brauchen manchmal unterschiedliche Orte

Während der letzten Wochen ist mir noch etwas bewusst geworden: Nicht jeder Gedanke braucht denselben Raum.

Manche Gedanken sind ganz leicht. Sie begleiten mich nur für einen Moment und passen deshalb wunderbar zu Instagram. Auf @_growandflourish_ teile ich kleine Impulse, Gedanken und Inspirationen für den Alltag – manchmal zum Schmunzeln, manchmal zum Innehalten und manchmal einfach als kleine Erinnerung daran, freundlich mit sich selbst zu sein.

Andere Gedanken brauchen mehr Zeit. Sie entwickeln sich beim Schreiben weiter, bekommen neue Facetten und werden zu einem Blogartikel wie diesem. Ich mag es, ihnen hier den Raum zu geben, den sie brauchen – ohne Zeichenbegrenzung und ohne Eile.

Und dann gibt es noch meinen Growthletter. Er ist für mich viel mehr als ein Newsletter. Er fühlt sich eher an wie ein persönlicher Brief. Etwa zweimal im Monat teile ich dort Gedanken, die mich gerade bewegen, erzähle von Erfahrungen, stelle Fragen zum Weiterdenken oder lade zu kleinen Reflexionen ein. Manche Themen beginnen hier im Blog und wachsen im Growthletter weiter. Andere finden ihren Anfang erst dort.

Vielleicht begegnen wir uns also auf Instagram, hier im Blog oder im Growthletter. Jeder dieser Orte lässt Gedanken auf seine eigene Weise wachsen. Und vielleicht ist genau der dabei, der dich im Moment am besten begleitet.

Illustration eines Briefumschlags mit Blumen als Symbol für den Growthletter.

Was ich unterwegs über mich gelernt habe

… als ich eigentlich nur noch schnell was erledigen wollte.

Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, fällt mir auf, dass nicht nur meine Website gewachsen ist.

Ich bin es auch.

Das klingt im ersten Moment vielleicht selbstverständlich. Ist es aber nicht. Denn während ich damit beschäftigt war, Formulare einzurichten, Texte zu überarbeiten und auf Freischaltungen zu warten, habe ich gar nicht bemerkt, wie viel sich nebenbei verändert hat.

Zum Beispiel meine Art zu schreiben.

Wenn ich meine ersten Texte mit den aktuellen vergleiche, sehe ich einen deutlichen Unterschied. Von außen wirkten sie vielleicht professioneller. Heute ist mir etwas anderes wichtiger: Ich möchte, dass sie sich nach mir anhören. Mit all dem, was dazugehört: Ehrlichkeit, Persönlichkeit und der Freiheit, Ecken und Kanten zu haben.

Ich habe außerdem festgestellt, dass Ausdauer und Ungeduld erstaunlich gut zusammenpassen können. Ich gebe nicht schnell auf – gleichzeitig möchte ich am liebsten alles sofort lösen. Beides gehört zu mir. Und beides darf da sein.

Eine weitere Erkenntnis war weniger angenehm: Mein Perfektionismus meldet sich immer noch häufiger, als mir lieb ist. Gerade bei Dingen, die mir am Herzen liegen. Ich überarbeite einen Absatz noch einmal, lese einen Text ein drittes Mal oder entdecke kurz vor dem Veröffentlichen plötzlich etwas, das ich unbedingt noch ändern möchte.

Manchmal ist das hilfreich. Doch manchmal hält es mich auch davon ab, einfach zu sagen: Es ist gut. Jetzt darf es in die Welt.

Vielleicht war genau das die größte Lektion dieser Monate:

Nicht alles muss perfekt sein, um wertvoll zu sein.

Und nicht jeder Schritt muss groß sein, damit er zählt.

Wenn ich heute zurückblicke, wünsche ich mir vor allem eines: Dass ich zukünftig öfter innehalte und nicht sofort zur nächsten Aufgabe springe, sondern auch einmal wahrnehme, was gerade entstanden ist. Gerade die Dinge, von denen ich vor einem halben Jahr noch keine Ahnung hatte, gehören heute ganz selbstverständlich zu meinem Alltag. Eigentlich wäre das ein ziemlich guter Grund, zwischendurch auch mal stolz zu sein.

Wenn du selbst gerade eine Idee, einen Wunsch oder ein Vorhaben hast, das du Schritt für Schritt in deinem Leben wachsen lassen möchtest, findest du in meinem Artikel „Mein innerer Garten“ eine praktische Anleitung dafür.

Vielleicht gibt es gerade auch in deinem Leben dieses eine „Nur noch …“.

Nur noch dieses Projekt.

Nur noch diese Entscheidung.

Nur noch dieses Gespräch.

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